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Joseph Wambaugh: Hollywood Station

Zehn Jahre sind seit Joseph Wambaughs letztem Buch vergangen. Stile und Leser haben sich in der Zeit gewandelt. „Hollywood Station“ ist also eine Art Comeback ... und was für eins. Hier kommt alles zusammen, was ein gutes Buch ausmacht. In zahlreichen wechselnden Perspektiven erzählt Wambaugh den Alltag des Polizeireviers in Hollywood im Jahre 2006. Da wird nicht nur die Geschichte der Aufklärung eines Verbrechens erzählt, sondern das Leben der Polizisten und Verbrecher in kurzen Episoden und Anekdoten dargestellt. „Hollywood Station“ ist dabei so schonungslos wie witzig.

Viel hat sich getan seit der Zeit, als James Ellroys Polizisten Los Angeles im Griff hatten oder Wambaugh in seinen ersten Büchern Polisten zur Arbeit schickte. Plötzlich haben wir Mütter, die während des Dienstes Milch abpumpen; Polizisten, die Befragungen von weißen Verdächtigen erfinden, um nicht in den Verdacht zu geraten, Nicht-Weiße zu benachteiligen und Männer, die suspendiert werden, weil sie tief durchatmen, wenn sie den nackten Nabel einer Kollegin sehen. Hier wird die Welt von der auch Paula L. Woods erzählt, von einer anderen Seite beleuchtet: Diese Polizei ist fest im Griff der politischen Korrektheit und droht am Qualitätsmanagement zu ersticken.

Ein Juwelenraub ist's, der den Impressionen aus dem Polizistenleben ein Rückgrat gibt. Es ist einerseits eine kleine Hardboiled-Geschichte, die ein wenig von den größeren Kriminellen an den Rändern der russischen Mafia erzählt und andererseits eine dieser witzigen Episodenstories, bei denen die Helden immer tiefer ins Schlamassel geraten, weil ihnen immer wieder überraschende Ereignisse widerfahren, die ihren Planungen zuwiderlaufen.

Farley Ramsdale und Olive Oyl sind zwei Drogensüchtige (und wie gut die von Wambaugh charakterisiert sind!), die Methamphetamin rauchen (Ice genannt); ihr ganzes Leben dreht sich nur um die Beschaffung des Zeugs. Geld haben sie keines, Arbeit, Zukunft oder Perspektive auch nicht. Ramsdale ist in Hollywood geboren und aufgewachsen. Er hat Glück und lebt schuldenfrei im Haus seiner verstorbenen Eltern. Voller Abscheu betrachtet er, wie „seine“ Stadt sich unter dem steten Zustrom von Geld und Einwanderern verändert. Irgendwann hatte er Olive Oyl aufgegabelt und bei sich aufgenommen. Eigentlich hat sie noch weniger als er, die ständige Gier nach Süßem zerstört ihre Zähne und ihre gutmütige Naivität ist einer „Beschaffungskriminellen“ auch nicht dienlich. Mittels klebriger Mausefallen versuchen beide aus Briefkästen Briefe zu klauen; Checkkarten oder Personendaten verkaufen sie an Typen, die damit 'was anfangen können. Eines Tages führen die weitergegeben Informationen zu einem Juwelenraub und Ramsdale glaubt, dass seine Stunde gekommen ist, ein bisschen mehr Geld zu machen. Wenn man so wollte, könnte man sagen, Wambaugh nimmt eine dieser unterhaltsamen Humorkrimigeschichten und kehrt ihr Innerstes nach außen.

Die Sprache des Buchs hat's in sich; im Stil eher knapp, mixt es Polizeisprech und den stetig wandelnden Jargon der Straße. Im Vorwort selber bedankt sich Wambaugh bei Ellroy, der dieses Buch „angeregt“ habe – man meint zu verstehen, warum das so ist. Die Leser deutschsprachiger Bücher haben Glück: Die Übersetzung erscheint im März.

Bernd Kochanowski

Joseph Wambaugh: Hollywood Station. Vision 2007. 432 Seiten. 6,98 € (deutsch: Hollywood Station, Lübbe 2008, 7,95 €)

3. Januar 2008

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