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• dpr: Nun, der bei Malet ja auch typische leicht ironische Tonfall fehlt bei Pecherot. Was aber kein Nacht
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• Georg: Beschwer ich mich? Hab doch selber schuld und bin gestraft genug! Wo bleibt das Schmerzensgeld? ;-)
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Krimijahrbuch 2008: Leseprobe

Noch ein paar Wochen, dann ist es endlich da: das Krimijahrbuch 2008. Für die ganz Ungeduldigen hier eine kleine Leseprobe...
Ulrich Noller / Dieter Paul Rudolph
Krimi international 2007
Dpr: Ist das nicht merkwürdig, lieber Ulrich? Allenthalben und allerorten herrscht Jugendwahn. Bist du erst mal über 40, interessieren sich nur noch die Anbieter von Sterbeversicherungen und die ZDF-Programmredaktion für dich. Und dann das: John Harvey, James Crumley, Petros Markaris, Rick DeMarinis, Elmore Leonard, James Sallis, just to name a few. - Was haben die gemeinsam? Sind alle im Rentenalter und gehörten zu den Höhepunkten des Krimijahres 2007. Wenn schon die «alten Krimis» ignoriert werden, ehrt man wenigstens die Krimis der Alten. Erfreulich. Oder etwa nicht? Ist diese Rückkehr des Seniorenheims vielleicht nichts weiter als ein Indiz für den auch in der Krimiindustrie zu konstatierenden Mangel an Nachwuchskräften?
UN: Klar, werter dpr, gut möglich; zumal man ziemlich allumfassende Ödnis und Leere erblickt, wenn man sich nach spannenden Talenten jenseits des Zweiten, also nach neuen Autoren unter 40, umschaut; dieser Blick hat ästhetisch gesehen was von «Die schönsten Bahnfahrten in Europa».
Vielleicht steckt hinter diesem Trend zur Seniorenresidenz aber auch was ganz anderes als die Blutleere der verdammten Jugend, und das sage ich als einer, der die 30er-Gruppe gerade verlassen hat: Zum einen sind einige dieser Alten einfach gut, richtig gut. Und zum anderen haben wir vermutlich deshalb so viele Alte auf dem Markt, weil mit Hilfe (vorwiegend) kleiner Verlage eine Marktbereinigung von unten vorgenommen wird: Nix brummt auf dem deutschen Buchmarkt, aber Krimmi grummelt wenigstens ein bisschen, und weil sonst alles abgegrast und abgeklopft ist, dürfen die unteren Chargen (pulp master, shayol und Co.) jetzt wieder bringen, was die Großkopferten in ihrer Ahnungslosigkeit vor Zehnjahresfrist ins Off getreten haben: die Klassiker des Genres.
Wobei ich ja gerne noch eins draufsetzen würde, bei der Sache mit den Alten: RICHTIG gut fand ich Anno 2007 zwei Alte, die noch nicht mal mehr im Pflegeheim ein Plätzchen haben, sondern nur mehr auf dem Friedhof: Juan Damonte, mit Ciao Papa. Und Manchettes erstmals ins Deutsche übersetzter Erstling Laßt die Kadaver bräunen!: Beide Romane im Prinzip jeweils ein einziger, elogischer, delirierender Showdown – und beide so was von KRAFTvoll, da schlackerst Du mit den Ohren. Kein Wunder, dass die Jungs gar nicht erst alt geworden sind…
DPR: Da muss es literarisch aber schon ziemlich stürmen, bis ich mit den Ohren schlackere... aber du hast Recht. Dabei war Manchette, als er die Kadaver bräunen ließ, gerade mal 29 ... aber eben ein Mann mit Visionen, der den Krimi nicht zum bloßen Transportmittel für das Anfang der Siebziger beliebte theoretische Gesellschaftskritisieren degradierte, sondern gleich mehrere Weltmodelle in einen perfekten Reißer packte. Es geht um das Verbrechen als die letzte Bastion der Kunst und die Kunst als eine Inszenierung von Wirklichkeit. Will heißen: Die Wirklichkeit entsteht aus den Verbrechen, die sie hervorbringt. Das ist Hammett konsequent zu Ende gedacht. Hier lässt sich das Kritisieren noch in seiner eigentlichen Wortbedeutung verfolgen: als das genaue Betrachten eines Gegenstandes von ALLEN Seiten. Und wer seine Zwölfachtzig nur für ein paar Stündchen krachende Action auf den Tresen zählt, kommt auch auf seine Kosten.
Aber kurz zurück zur Politik der Großen. In den USA reist Ken Bruen von einer Preisverleihung zur nächsten – hierzulande ist er seit einer kurzen und schmerzhaften Episode bei Rowohlt 1998 nicht mehr vorhanden. Stattdessen füttert man die Raubtiere mit dem gammligen Formfleisch einer Karin Slaughter ... Und dass so etwas massenweise gekauft wird, ist eben KEIN Argument. Gekauft werden kann nur, was angeboten wird. Und diese generelle Geschmacksverflachung ist möglicherweise nicht der Grund für das mickrige Angebot, sondern die Folge. Gut, dass wir die Kleinen haben, die sich noch selbst ausbeuten. Nie war es ehrenhafter, Konkurs anzumelden.
Doch zurück zum Erfreulichen. Damonte hab ich ja verpasst (sogar ich habe ein Leben neben dem Krimi...) – sollte ich die Lektüre also schleunigst nachholen?
...was wird der freundliche Herr Noller empfehlen? Diesen nervenzersägenden Cliffhanger lösen wir im Krimijahrbuch garantiert auf. Wollen Sie dabei sein? Dann wenden Sie sich an den in voller Erwartung des Reibachs ungeduldig harrenden → Verleger...
22. Februar 2008
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