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Krimispam

Der Wortschatz der oder des gemeinen Krimischaffenden ist naturgemäß begrenzt. Da feixen die "inneren Dämonen", laufen "Schauder" wie Gletscher über den Rücken oder korrigiert sich in jedem zweiten Krimi die Frau des Ermordeten: "Mein Mann ist – ich meine: war…". Immer die gleichen Schablonen, die ewigen abgestandenen Begriffe. Da lob ich mir die Penisverlängerer.

Weil, wer mir im Betreff bezwecks „Penisverlängerung“ an den selbigen will, sofort in den Spamordner wandert, und weil dieser Umstand den Penisverlängerern längst bekannt ist, versuchen sich letztere als Neologisten. Sie erfinden immer neue Bezeichnungen für „das beste Stück“ (eine der phantasieloseren Ersatzphrasen), in der Hoffnung, es sei noch nicht in die Spamliste eingetragen.

Garantiert dort steht „Pen!s“. Ganz netter Versuch mit dem Ausrufezeichen, aber mehr nicht. Völlig daneben auch „Phallus“, „Dick“, "Cock", "Tool", „Willi“, "Babymaker" und „Lovemachine“. Cleverer hingegen „Fuckstick“, noch cleverer „erectileOrgan“, total genial: SHLONG. Shlong? Nie gehört, aber instinktiv weiß ich, was gemeint ist.

Geradezu überschäumend die Phantasie bei Wortzusammensetzungen wie "DiegoMassiveErectileorgan" oder MarthaImpressiveShlong ode ganze Sätze wie " Your hot rod will heat up your bedroom"– da wünscht man sich denn schon, die Damen und Herren Krimiautoren wären ähnlich einfallsreich, wenn es gilt, im Grunde schlichte Sachverhalte mit etwas anderem als Standardfloskeln abzubilden.

Wäre es nicht an der Zeit, eine Art "Spamfilter" für Krimis anzulegen? Ein Software-Werkzeug, das in der Lage ist, Texte nach allzu biederen Formulierungen zu scannen und ab einer gewissen Trefferzahl mitleidlos in den Orkus des Vergessens zu befördern? Es wäre an der Zeit, keine Frage. Jedoch: Bücher sind Papier, sie müssten aber digital zugänglich sein. Die verblüffende Lösung: Ein menschlicher Spamfilter. Eine unbestechliche Person, der sämtliche "Keywords" einprogrammiert wurden und die, bevor man selber arglos zum Buch greift, dieses abcheckt und entscheidet, ob seine Lektüre durchschnittlich intelligenten Vertreter der menschlichen Spezies zugemutet werden kann. Das zwingt die Krimischaffenden zu waghalsigen Wortbauten, da "gänsehäutelt" es, statt zu schaudern, da schaut keiner mehr "betroffen auf den Toten", sondern "irgendwie depressiv-nachdenklich". Immerhin.

In Anbetracht der Unmengen gedruckter Ware tun sich hier ungeahnte Möglichkeiten zur Belebung des Arbeitsmarktes auf. Bei geschätzten 800 Krimineuerscheinungen im Jahr, einer zu Grunde gelegten Lesegeschwindigkeit von 1 Titel pro Tag (bei Vollzeitbeschäftigung), wären das drei Arbeitsplätze allein für den Krimibereich! Natürlich gehen wir von einer 5-Tage-Woche und 30 Tagen Jahresurlaub aus.

Um Bewerbern schon einmal einen kleinen Begriff von der ihnen bevorstehenden Tätigkeit zu geben, hier ein Zitat aus Mordechai Richlers wunderbarem Buch "Cocksure"(nein, das hat nichts mit äh… erectile Organ zu tun!). Englische Grundschüler des Jahres 1968 finden Ersatzwörter für den Shlong:

"Und jetzt", sagte Miss Tanner und trat vor die Tafel, "kann mir jemand noch ein anderes Wort für Glied sagen?"
"Schwanz", ertönte der Ruf eines kleinen Mädchens, und Miss Tanner schrieb es auf.
"Pimmel."
"Schwengel."
"Männliches Geschlecht."
"Penis."
"Ständer."
MIss Tanner schaute skeptisch. Zog die Stirn in Falten. "Nicht immer", sagte sie, schrieb das Wort dann aber auf.
"Fickmaschine."
"Piller."
"Du weichst wieder ab, Monty", sagte Miss Tanner leicht gereizt."
"Joystick."
Pause.

8. Februar 2008

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