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Die Unvollendeten
Manchmal passiert es halt doch. Obwohl ich von Natur aus ein geduldiger Mensch bin, einer, der allen Büchern gut Freund sein möchte, auch den spröden, die mir ihre Gegenliebe nicht schon auf den ersten Seiten kundtun. Ich gebe also jedem Buch eine faire Chance, selbst dann, wenn schon die Anfangsabsätze Formulierungen wie „das Blech wälzte sich wie zähe Lava durch die Straßen“ oder „zwängte den Skoda in eine Seitengasse“ enthalten (wie Andreas Grubers „Schwarze Dame“, ein sogenannter Thriller, über dessen erste Seite ich bis jetzt nicht hinausgekommen bin).
Aber irgendwann ist Schluss und ich breche die Lektüre ab. Am Wochenende ereilte dieses Schicksal das von Ken Bruen und Jason Starr in der eingedeutschten Hard Case Crime – Reihe vorgelegte Werk „Flop“. Nomen ist omen? Noch nicht einmal. Zwei scheint’s über dem Durchschnitt agierende Autoren schließen sich zu einer Schreibgemeinschaft zusammen und produzieren ein Schaustück. Das ist nämlich alles furchtbar lustig, furchtbar lakonisch – und furchtbar vorhersehbar, austauschbar, überlesbar. Nach 80 Seiten ist es keiner einzigen der doch zahlreichen Personen gelungen, mich davon zu überzeugen, ihr Schicksal gehe mich etwas an oder sei wesentlich genug, ihm bis zum bitteren Ende lesend zu folgen. So etwas liest man und legt es dann weg und fragt sich, warum man es gelesen hat. Schade.
Oder Thea Dorns „Mädchenmörder“, ebenfalls 80 Seiten bis zum finalen Weglegen. Ein natürlich großes Thema nahe am beliebten „Tabubruch“. Ein Mädchen wird entführt, vergewaltigt, gequält, der Täter begeht unterdessen weitere Morde, reist mit dem Mädchen umher, das seine Erlebnisse später aufzeichnet und sich fragt, ob sie vielleicht Mittäterin geworden sei, den Killer gar geliebt hat.
Das Dumme daran: Ich glaube kein Wort. Dem Mädchen nicht, was ja vielleicht zur Strategie der Autorin gehören könnte, aber vor allem auch der Autorin nicht. Das ist kalt berechnet und schon deshalb kreuzlangweilig. Nein, danke. Wird an den Azubi Jochen weitergereicht, der auch mal die Schattenseiten des kritischen Gewerbes kennenlernen soll.
Und ein drittes, nicht vollendetes Werk: „Die Spur des Teufels“ von John Burnside. Gar nur zwanzig Seiten. Ein hochgelobter Literat, auch Lyriker, Sprachfex also irgendwie, doch nach zwanzig Seiten glaub ich das nicht mehr. Obs an der Übersetzung liegt? Wohl kaum, denn der Inhalt ist genauso hölzern wie die Sprache. Vielleicht kommt ja irgendwann der „Twist“, auf dass dem Leser sämtliche Augen aus dem Kopf fallen und er „Donnerwetter, ist das clever!“ murmelt. Aber ich verzichte auf dieses potentielle Erlebnis und lege auch Burnside auf den großen Stapel jener Werke, an denen ich aus Selbsterhaltungsgründen gescheitert bin. Und greife zum nächsten Buch. Und starre bei Gelegenheit auf den Stapel der Unvollendeten. Vielleicht habe ich doch irgend einem dieser Bücher Unrecht getan?
dpr
1. April 2008
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