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Ein deutsches Trauerhalbjahr?
Die ersten sechs Monate des Krimijahres 2008 sind glücklich überstanden. Erkenntnisse? Neue Trends? Empfehlungen? Gewiss, gewiss. So schlecht war das Halbjahr nicht – jedenfalls nicht international. Wie aber sieht es hierzulande aus? Nun, leider: traurig.
Jetzt schreien sie natürlich wieder alle auf, die heimischen Krimiproduzentinnen und –produzenten, und ich muss gleich gestehen, nicht JEDEN deutschen Krimi des Jahres 2008 gelesen zu haben. Wie auch. Dennoch bestürzt es mich beinahe, nur einen einzigen deutschsprachigen Kriminalroman, Linus Reichlins "Die Sehnsucht der Atome", bedenkenlos empfehlen zu können. Den neuen von Manfred Wieninger, instinktiv als auch "empfehlenswert" einzustufen, habe ich noch nicht gelesen.
Und sonst? Eine Reihe kaum erträglicher, deshalb nur angelesener Produktlein, deren Titel ich mir hier erspare, daneben ein Heer langweiligsten konventionellen Durchschnitts wie "Feuermal" von Wolfgang Kaes, künstlich provokativen Tiefschürfeln wie Thea Dorns "Mädchenmörder" oder dozierende Pseudokrimis wie Gisa Klönnes „Nacht ohne Schatten“.
Nein, genug. Insgeheim hoffe ich schon, dass alles nur an mir und meiner im laufenden Jahr unglücklichen Auswahl an deutschsprachiger Krimilektüre liegt. Es gibt ein paar Hoffnungen, nicht mehr, aber immerhin, Wolfgang Brenners "Bollinger und die Barbaren" etwa oder Rainer Gross mit "Weiße Nächte", einem sehr ambivalenten Werk, das in der nächsten Ausgabe von wtd – die Zeitschrift besprochen werden wird. Aber sonst? – Vielleicht weiß ja die geneigte Leserschaft, was sich zu lesen verlohnt hätte in diesem Halbjahr. Empfehlungen werden dankend angenommen.
dpr
1. Juli 2008
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