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Uta-Maria Heim: Wespennest
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Kurze Notiz über die Peripetie der Regel unter besonderer Berücksichtigung des Föns

Chef Walter haut mit der Faust auf den Tisch.
"Ruhe! Ich erkläre die Diskussion über die Benutzung des Whirlpools hiermit für beendet! Kommen wir zu den unwichtigen Themen! Wtd! Sie wünschen – wir schreiben! Einen Wunsch müssen wir noch abarbeiten!"

Gemurre.

"Doch nicht etwa den von diesem stinkfaulen Menke?" fragt Dale Patrick Rutherford, Papst der Kurzratekrimis.

"Doch!" antwortet der Chef. "Man kann sich seine Leser schließlich nicht aussuchen, und ohne Menke hätten wir 20.000 Klicks am Tag weniger. Also! Hier noch einmal sein Themenvorschlag:"

Untersuchung über den Einfluss des französischen Regeldramas im 17. und 18. Jahrhundert auf die Dramaturgie und Erzählaufbau moderner Kriminalliteratur in den USA unter besonderer Berücksichtigung der Peripetie und Retradation bei Raymond Chandler.

"Irgend welche Ideen?"

Die Runde schweigt. Nur Fräulein Anobella, mit dem Auftragen leuchtend grünen Lacks auf ihre Fußnägel hinreichend beschäftigt, murrt ein "Ignorieren, den Schmock" in die aufgeladene Luft des Redaktionssaales.
"Geht nicht", bedauert Didier Pascal Rocheford, unser Pariser Neo-Polar-Korrespondent, der das französische Regeldrama in- und auswendig kennt, aber "leider nur das 19. Jahrhundert", wie er bedauernd gesteht.
"Ach was!" meldet sich jetzt noch einmal Fräulein Anobella zu Wort, "die Regel war für jede Frau zu allen Zeiten und an allen Orten ein Drama! Und dieser Chandler hat das brutal ausgenutzt! Wie auch immer."
"Wir sollten unser Augenmerk auf die Peripetie lenken", schlägt Peripetie-Junkie Donald Pilsner-Radeberger vor. "Dieser plötzliche Wechsel, wie es auch auf Deutsch heißt, also wenn zum Beispiel bei Chandler der Protagonist gerade einen gesoffen hat und plötzlich wieder nüchtern ist. Das hat was. Prost."
Wieder breitet sich the big silence aus. Und wieder ist es Fräulein Anobella, die, einen riesigen Fön schwenkend, die bedrückende Stille durchbricht.

"Alles Unfug! Dies hier ist übrigens mein neuer Fön! Ein Monstergerät! Damit kann ich sogar meine Fußnägel trocken fönen!" *schaltet das Gerät ein und fönt ihre Fußnägel trocken.

"Aufhören!" schreit der Chef, "man versteht ja seinen eigenen Gedanken nicht mehr!"

"Okay, okay", beschwichtigt Fräulein Anobella. *schaltet den Fön aus.

"Aber hat sich schon mal jemand überlegt, welche Rolle der Fön als Mordwaffe in der Kriminalliteratur spielt? Wie oft er, der Fön, schon in Badewannen geworfen wurde, um untreue Ehemänner, verschwenderische Frauen und kriminell gewordene Kinder zu bruzzeln? Oder welche Möglichkeiten es gibt, einen Fön so zu manipulieren, dass man beim Angreifen desselben einen dermaßen prima Stromschlag kriegt..."
Jetzt wird es laut in der Runde.

"Genial!"
"Das machen wir!"
"Und was ist mit gesalzenem Hering als Mordwaffe, hä?"

"Apropos", bemerkt der Chef schmunzelnd, "am Whirlpool stehen gesalzene Heringe, Champagner und ukrainische Zwangspraktikantinnen bereit. Und für Fräulein Anobella niemand Geringeres als unser gegelter Redaktionsgigolo Dante Pasquale Redundandi. Ich schlage vor, wir verlegen die Sitzung..."

Niemals zuvor hat sich der Redaktionssaal so schnell geleert...

dpr

22. August 2008

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