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Zum Thema

Autorinnen und Autoren, selbst die von Kriminalromanen, haben zumeist ein Anliegen. Nennen wir es neutraler: ein gesellschaftliches Thema. Die einen schreiben über die Dekadenz der Schickimickiszene (Max Bronski, "Schampanninger", noch nicht gelesen, ich höre auf den Klappentext), die anderen in einer gewaltigen, allumfassenden Geste über die USA und darüber hinaus (Jerome Charyn, neu: "Citizen Sidel", ebenfalls noch nicht gelesen, aber ich freue mich drauf). Dann gibt es die Spezialisten, die ihre Erfahrungen aus der Kirchen- und Bürowelt, der Gartenbau- oder IT-Branche mitteilen, die eher aus Psychologie Gestrickten und die Frauenbewegten, die Antikindsmissbrauch Anprangernden, die... ein Thema also hat jeder. Und?

Es gibt Themen, die mich als Leser interessieren und solche, die mich nicht interessieren. Es gibt engagierte, ja, besessene Schreiber, die einen wenig bekannten Aspekt der Wirklichkeit (aktuell oder historisch) im Mantel des Krimis transportieren wollen. So einer ist Wilfried Eggers, dessen neuester Krimi "Paragraf 301" heißt und sich mit der Unterdrückung der Aleviten in der Türkei beschäftigt (unter anderem; der "Paragraf 301" ist übrigens jener berüchtigte, der bei "Beleidigung des Türkentums" zur Anwendung kommt).

Doch, Eggers ist engagiert. Und aufklärerisch. Aber bekommt er damit schon einen Pluspunkt beim Rezensenten? Muss der, dieses Engagement anerkennend, Schwächen der Dramaturgie, der Personenzeichnung, des Plots übersehen oder doch wenigstens milder gewichten, weil das Thema ein ehrenwertes ist? – Ich sage das jetzt rein theoretisch, nicht auf Eggers gemünzt, obwohl mir das Problem (so es denn eines ist) bei der Lektüre von "Paragraf 301" bewusst wurde. Wie habe ich es bisher gehalten? Nehmen wir Laura Lippmans "Das dritte Mädchen". Thema: die Nöte und Obsessionen der amerikanischen Mittelschicht. Das Thema brennt mir nun nicht gerade unter den Nägeln, aber das Buch ist gelungen. Oder nehmen wir, na, irgendeinen der sogenannten "Cosys", meinetwegen die klassische Variante der alten englischen Lady, die durch Pfarrhäuser und Bibliotheken und ganz schnucklige Cafés stromert, immer auf der Suche nach den Abgründen des Menschlichen. Thematisch eine Zumutung, völlig anachronistisch, totaler Humbug. Aber wenn es gut gemacht ist...

Natürlich übersehe ich nicht, dass die Wahl des Themas Weichen stellt, mich anlockt oder abschreckt, mich berührt oder nicht berührt. Eggers vermag zu berühren, das Thema ist (ich erinnere an die "Tatort"-Folge, über die sich die Aleviten empörten, weil darin offensichtlich Vorurteile und Verleumdungen unkritisch wiedergegeben wurden) "brisant", wie es groß auf dem Umschlag meines Leseexemplars steht. Problematisch aber dies: Wenn ich mich auf dieses Thema einlasse, dann habe ich zunächst nur Eggers' Text als Grundlage. Denn, ehrlich gesagt: Die Situation von Aleviten und ethnischen Minderheiten in der Türkei ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Ich müsste mich tiefer in die Materie einarbeiten, kundig machen, auch andere, kontroverse Stimmen zur Kenntnis nehmen. Aber genau damit säße ich in der Falle, die Gefahr, den KRIMINALROMAN "Paragraf 301" als einen Sachtext zu lesen, wäre groß, die Gefahr, anstelle einer Krimikritik eine moralisch gelenkte zu verfassen, noch größer.

Also werde ich das nicht tun. Ich werde "Paragraf 301" quasi am Thema vorbei lesen, als ein Kriminalroman, der auch von Rauschgiftschmuggel handeln könnte oder Ehrenmord oder Elektronikschiebereien. Zu besichtigen in der Juli-Ausgabe von wtd – die Zeitschrift, die aus Gründen diverser "Sperrfristen" diesmal erst am 3. September erscheinen wird.

dpr

28. August 2008

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