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Nora Miedler: Warten auf Poirot

Fünf Frauen in einer Berghütte, eingeschneit. Da geschieht ein Mord – und es sind nur noch vier Frauen. Das Ganze heißt "Warten auf Poirot", und wärs von Gilbert Adair, könnten wir uns auf eine witzige Persiflage gefasst machen. Ist aber von Nora Miedler, gar nicht witzig – aber reichlich durchtrieben.
Zunächst lernen wir Charlie kennen. Charlie ist eine junge Frau ohne Selbstbewusstsein, dafür aber voller Selbstzweifel. In der Klapsmühle war sie deswegen auch schon. Charlie hat vier Freundinnen, von denen sie mindestens eine, Rita, gerne umbringen möchte. Denn Rita ist die Schwester von Mark, Charlie schwärmt für Mark, hat ihn sogar ins Bett gekriegt, aber Rita hat ihn da gleich wieder rausgeholt. Zusammen mit drei weiteren Freundinnen (einer Karrierejuristin, einer Edelnutte und einem Hausmütterchen) fahren Charlie und Rita auf ein zünftiges Wochenende in die Berge, werden dort eingeschneit, und Rita, die böse Rita bekommt ein Messer zwischen die Rippen.
Nein, nicht lustig. Fünf Frauen, fünf Lebensentwürfe von Frauen, und die überlebenden Vier (es wird nicht bei vier bleiben...) umkreisen sich in der Folge gegenseitig voller Misstrauen, denn eine von ihnen muss ja die Mörderin sein. Natürlich tun sich dabei Abgründe auf, bröckelt die Fassade, werden bislang unterdrückte Aggressionen wie Adrenalin ausgeschüttet. Das Ganze spielt sich auf engstem Raum ab und ließe sich auch als Theaterstück gut inszenieren (kein Zufall: Nora Miedler ist gelernte Schauspielerin). Zu lang wäre der Roman mit seinen 188 Seiten auch nicht, jedoch: Irgendwie hat man als männlicher Leser das Gefühl, im falschen Film zu sein. Wie sich die Frauen da verbal umkreisen, das kennt man als Mann gar nicht, da hätte man längst was unternommen, das Auto wieder flottgekriegt, den Marsch in die Zivilisation durchorganisiert, sich wenigstens gegenseitig zünftig in die Fresse gehauen. Die Frauen denken daran nur beiläufig, sie setzen auf die Psychokarte. Geht in Ordnung, ist aber stellenweise ein wenig zu sehr auf das Spektakuläre aus.
Gegen Ende immerhin gewinnt der Roman an Fahrt, und das Ende selbst, das hat einfach Klasse. Der Fall wird gelöst – doch wenn man genauer drüber nachdenkt.... vielleicht doch nicht?
Also: Man warte durchaus gespannt auf den nächsten Krimi von Frau Miedler. Poirot muss nicht kommen. Die Frau hat auch ohne ihn Talent, sie kann schreiben – und der Rezensent hat sich bis dahin vielleicht auch dran gewöhnt, dass Frauen immer so viel reden.
dpr
Nora Miedler: Warten auf Poirot. Ariadne 2009. 188 Seiten. 9,90 €
7. Mai 2009
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Bisherige Kommentare (2)
Habe grade sehr gelacht:o)
Vielen Dank an den Herrn Rezensator für die ausführliche Beschäftigung mit meinem Buch! Ich werde künftig versuchen, mehr Rücksicht auf die lieben Männer zu nehmen ...;o)
Sehr herzliche Grüße aus Wien,
Nora
von: Nora Miedler am 15.05.09 13:42
*
Tun Sie das bitte! Man könnte sonst noch auf die abstruse Idee kommen, Frauen seien irgendwie anders als Männer...
bye
dpr
von: dpr am 15.05.09 14:59
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