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Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

Beginnen wir mit einer Falschmeldung: Der Afrikakrimi boomt. Oje. Natürlich nicht. Was fröhlich hypt, ist der Südafrikakrimi und auch das ist wohl schon passé, nachdem es sich fußball- und trötenmäßig ausgehypt hat. Und Afrikakrimi? Nun ja. Der moderne Kriminalroman, wie man ihn allerorten mehr oder weniger routiniert runterschreibt. Also kein Afrikakrimi. Dafür, wenigstens in kleinen Dosen gereicht, eine Art Abkehr vom amerikanisch-europäisch geprägten Ratiokrimi. Nach Vamba Sherifs →"Geheimauftrag in Wologizi" jetzt Nii Parkes mit "Die Spur des Blenenfressers".

parkes.jpg
Der Anfang ist klassisch und schafft dadurch die richtige Fallhöhe. In einem kleinen ghanaischen Dorf wird in einer Hütte ein "Etwas" entdeckt. Nachgeburt? Teile eines Menschen? Man weiß es nicht, aber der korrupte Polizeichef will es aus Karrieregründen wissen. Er drängt den Pathologen Kayo, sich des Falles anzunehmen, wobei drängen wohl das falsche Wort ist. Er setzt ihn unter Druck und demonstriert die Allmacht und Willkür der Polizeiorgane. Kayo reist also zum Tatort und macht sich daran, den gewünschten "CSI-Bericht" zu verfertigen. Man erwartet von ihm nicht die Wahrheit, sondern etwas politisch Verwertbares, einen "internationalen Fall".

Gemeinsam mit seinem Gehilfen und Aufpasser, dem Polizisten Garba, zieht es Kayo fortan immer tiefer in die ländliche Welt. Ein alter Jäger, ein Medizinmann, ein hübsches Mädchen – Geschichten werden erzählt, Geister beschworen und Mythen in die Wirklichkeit der Moderne übersetzt. Doch so wie sich diese Moderne mit den Traditionen nicht versöhnen lässt, so auch nicht deren Wahrheiten. Und so gibt es am Ende zwei davon. Die eine befriedigt die Polizei, der Kayo den gewünschten "internationalen Fall" serviert, die andere lässt sich weder von Kayo noch von den Lesern fassen, doch sie ahnen, dass diese "Wahrheit", mag sie auch bar aller rationalen Logik sein, den Ereignissen am ehesten gerecht wird.

So endet das Buch mit der Erkenntnis, ein Krimi dürfe durchaus das Ziel haben, uns sein Initialgeheimnis vorzuenthalten oder es durch ein anderes, noch größeres Geheimnis zu ersetzen. Das hat, nebenbei, nichts mit dem beliebten übersinnlichen "mystery" zu tun, das gelegentlich als Krimi mit esoterischem Mehrwert feilgeboten wird. "Die Spur des Bienenfressers" führt schnurstracks durch die Geheimnislosigkeit der heutigen Zustände in die Erzählungen der Vergangenheit. Und, man staune, irrational ist dabei genau dieses Heute.

Noch einmal: Afrikakrimis? Wenn sich die Reibungen des Kontinents, diese ständige Erschüttern durch den Konflikt von Moderne und Tradition, weiterhin in gelungene Kriminalliteratur übersetzen lassen, dann bekommen wir ihn vielleicht, den Afrikakrimi. Und das Spannendste daran: Wir müssen "Krimi" neu lesen lernen. Also wenn das nicht reizt...

dpr

Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers. Unionsverlag 2010 (Tail of the Blue Bird. 2009). Deutsch von Uta Goridis. 221 Seiten. 16,90 €

18. August 2010

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