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Nachruf auf Guido Rohm

pathologie-252.jpg Der Kriminalschriftsteller Guido Rohm (Blut ist ein Fluss, als Simon Beckett Tiere u.a.) hat heute, in den frühen Morgenstunden des 14. Mai 2011 →das Zeitliche gesegnet. Diese an sich schon erschütternde Nachricht trifft mich umso schwerer, als ich selbst diese Katastrophe ausgelöst habe. Bei den Arbeiten an meinem neuen, sehr mysteriösen, inzwischen schon Kultstatus erreicht habenden Werk Das große Totenbuch der Kriminalliteratur. Eine Vademekum für die ganze Familie (im Herbst bei Conte) war mir aufgefallen, dass noch kein Kriminalschriftsteller, keine Kriminalschriftstellerin an einem 14. Mai die Welt betreten resp. das Zeitliche gesegnet hat. Eine entsprechende launige Aufforderung bei Facebook nahm Rohm zum Anlass, mir in die Hand hinein zu versprechen, dieses Manko pünktlich zu beheben. Er hat Wort gehalten. Wer aber war Guido Rohm?

Geboren wurde er am 26.8.1970 in Fulda, der alten erzkonservativen Bischofsstadt, in der er auch zum Manne reifte. Die räumliche Nähe zu den Kirchenfürsten, die alles Mögliche segneten, bloß nicht das Zeitliche, weckte schon früh den Wunsch, ebenfalls auf dem Gebiet der Segnungen tätig zu werden. Zugleich jedoch war die beständige Indoktrination mit klerikalem Moralterror prägend für das nach Wissen und Erkenntnis dürstende Kind. So etwa trieb die Behauptung, dauerndes Onanieren führe zu Erblindung und der Ausbildung des sogenannten Spermabuckels, den jungen Rohm dreimal täglich zu örtlichen Augenärzten und Orthopäden. Auch die sogenannte Erbsünde machte ihm zu schaffen. Bedeutete nicht die Tatsache, dass er den Vornamen mit einem FDP-Vorsitzenden teilte, alles Mögliche, nur nichts Gutes? Und war ROM nicht an mehr als einem Tag erbaut worden, er, ROHM, aber in Windeseile gezeugt? All das nagte an ihm und führte dazu, dass sich das Minderwertgefühl, gepaart mit dem Schuldgefühl, endlich Bahn brach und Guido Rohm zu schreiben begann. Alles muss raus, hatte der Kaufmannslehrling im Berufsschulunterricht erfahren – und er handelte danach.

Zunächst ohne Erfolg. Seine experimentelle Prosa (Ein Scheißtext, 1992, Selbstverlag) reüssierte ebenso wenig wie seine Lyrik (Ein Scheißgedicht, 1994, Selbstverlag) und seine dramatischen Versuche (Ein Scheißtheaterdreck, 1995, aufgeführt von der Klasse 9A des katholischen Mädchengymnasiums Rosa Luxemburg Fulda). Inzwischen Filialleiter bei TENGELMANN, verlegte sich der Autor endlich und schließlich auf das Schreiben von Kriminalromanen. In einem Gespräch mit der Presse äußerte er dazu: Das Schreiben von Kriminalromanen ist recht simpel. Einer mordet, einer wird ermordet, einer ermittelt und einer liest den ganzen Scheiß. Letzteres hoffentlich viele. Bevor er jedoch mit seinem Debüt Blut ist ein Fluss (Seeling Verlag, 2010) zum Liebling der Kritiker und Cocktailpartys wurde, versuchte er sich unter dem Pseudonym Samuel Beckett an schwachbrüstigen Thrillern – und hatte endlich, wenigstens finanziellen, Erfolg. Zu Bestsellerehren gekommen, kündigte er bei TENGELMANN und leistete sich eine Finca bei Facebook, wo er sein Dasein als Neureicher mit allerhand zumeist nervigen Einträgen genoss.

Nun also hat Guido Rohm das Zeitliche gesegnet. Die Fahnen in Fulda wehen bereits auf Halbmast, die ortsansässigen Augenärzte und Orthopäden trauern um ihren besten Kunden, die ebenfalls ortsansässigen Bischöfe sehen sich bestätigt: Selbstbefriedigung, auch literarische, führt zu nix Gutem, hätte er doch uns mal machen lassen. Das Werk Guido Rohms aber lebt weiter, ein zweiter Krimi ist für den Herbst angekündigt, das große Totenbuch der Kriminalliteratur wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Farewell, Guido Rohm, well done.

dpr

14. Mai 2011

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