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Wie ein Krimi funktioniert

  • Leser: Geil mich auf.
  • Autor: Geil mich auf.
  • Leser: Ah!
  • Autor: Ah!
  • Leser: War ich gut?
  • Autor: Ich war besser.

Man könnte die Geschichte eines Mannes schreiben, der als pubertierender Jüngling durch die nächtlichen Straßen zog, um Blicke in Schlafzimmer zu werfen, auf Frauen in Unterwäsche oder weniger oder gar nichts, der sich heimlich bei solchen Anblicken selbst befriedigte, darauf achtete, keine Geräusche zu machen, nicht entdeckt zu werden. Ein aufregendes Abenteuer für einen Jungen und er nahm sich vor, es zu wiederholen, immer wieder, irgendwann immer die selbe Frau, die sich am Abend in ihrem Schlafzimmer im Erdgeschoss auszog, vor den Spiegel trat, sich musterte, unter die Decke kroch. Die Frau, die sich unbeobachtet wähnte, kein Rollläden besaß, um ihr Haus war Garten, um Haus und Garten ein Zaun, aber der war kein Hindernis für den Jungen.

Er kommt jeden Abend, pünktlich um zehn, er schaut, er befriedigt sich, er geht. Manchmal stellt er sich vor, die Frau wisse um seine Anwesenheit, sie genieße es. Und es stimmt. Irgendwann hat die Frau ihren geheimen Beobachter wahrgenommen, eine kleine Bewegung im Augenwinkel, ein Stück Kopf vor der Scheibe im Dunkeln. Sie hat gelächelt und angefangen, es zu genießen.

So sind die Jahre vergangen, so hat sich die Welt verändert, aber der Knabe, der inzwischen ein erwachsener Mann geworden ist, schleicht noch immer durch den Garten zum Fenster, pünktlich um zehn, er sieht die Frau, wie sie sich auszieht, wie sie vor dem Spiegel steht, wie sie – anders als ganz früher – lange vor dem Spiegel stehen bleibt, fast posiert, sich auch – so will es dem Mann scheinen – sich manches Mal so berührt, als wenn... Spielt keine Rolle. Der Mann befriedigt sich. Es ist wie Essen und Trinken und Schlafen und die Notdurft verrichten, wie Radfahren und Schwimmen, Laufen und Sitzen. Es sind die Mechanismen einer alten Ehe, es ist Voyeurismus aus Gewohnheit, Selbstbefriedigung ohne Orgasmus, es ist Lesen ohne Erschrecken, Lesen ohne Entzücken, Lesen, weil es gerade Punkt zehn Uhr ist. Immer die gleiche Prozedur. Das Objekt, von dem du glaubst, es sei das Leben, wenn es sich unbeobachtet fühlt. Der Reiz des Entdecktwerdens, der aber nichts weiter mehr ist als das Schlendern durch ein Museum, nachdem du dir eine Eintrittskarte gekauft hast.

Voyeur trifft Exhibitionist, das Sehenwollen trifft das Zeigenmüssen, der Exhibitionist arbeitet mit allen Tricks, er weiß um die Macht der Gewohnheit, er weiß um die Konkurrenz in den benachbarten Häusern, all die nackten Körper vor den Spiegeln, die sich immer neue Positionen ausdenken müssen, Andeutungen von Thrill, eine Hand im Schritt, eine Hand, die wie zufällig die eigenen Brüste streichelt. Den Spanner bei Laune halten. Sensationen bieten. Das Schlimmste: Wenn die Selbstbefriedigung scheitert, die Hand am schlaffen Glied, das Lesen in einem Buch ohne Handlung. Mord, denkt der Autor-Exibitionist. Mord, noch mehr Mord, noch mehr Unheil, noch mehr Hoffnungslosigkeit. Gibs mir, denkt der Voyeur. Gib mir Schneesturm, gib mir Tornados, ich sitze hier im warmen Zimmer und ich möchte mir vorstellen, wie es ist, wenn man friert.

Aber nicht übertreiben, sagt sich die Frau vor dem Spiegel, der Autor am Schreibtisch. Andeuten. Einen Orgasmus vortäuschen, vielleicht das Handy nehmen, so tun als ob man telefoniert, ein Mann, eine Frau, ein Gespräch voller Zweideutigkeiten, aufs Bett legen, nackt oder, besser, fast nackt, Strümpfe und Strapse, die eine Hand hält das Telefon, die andere... Weia, denkt der Voyeur. Oh mein Gott, denkt der Leser. Da geht’s zu. Das ist ja total geil / total schrecklich. Der Unterschied zwischen Sperma und Gedanken: Das eine spritzt man gegen die Hauswand, das andere spritzt gar nicht, es implodiert wie ein Fernseher. Abschütteln, verstauen, langsam wegschleichen. Bis morgen.

Der Voyeur lebt sein Leben, der Exhibitionist leben sein Leben. Der Leser liest, der Autor schreibt, beide essen und trinken, sitzen und gehen, fahren Rad und schwimmen. Punkt zehn Uhr. Ich vor dem Fenster, du dahinter. Ich schreibe, du liest. Wir haben beide nichts vom Leben begriffen. Wir sind ein altes Ehepaar, ich rolle von deinem Körper und drehe mich in Schlafposition.

dpr

7. März 2012

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