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Ich liebe keine Bücher, ich liebe Literatur. Bücher sind Materialien, Werkzeuge und werden auch so behandelt. Geständnis: Ich schreibe mit Kuli in teure Bücher, Arno Schmidt ist mein Zeuge. Und gleich das nächste Geständnis: Ich kann mit „Kulturgütern“ nichts anfangen, sie gehen mir ebenso auf die Nerven wie all diese Kulturträger, die im Berufsleben natürlich Leistungsträger sind und ich bin nun einmal der Ansicht, dass zu viele Menschen damit beschäftigt sind, Leistungen zu bringen, anstatt ehrlich zu arbeiten. Drittes Geständnis: Ich halte Buchhändler für Menschen, die mit Bücher handeln, so wie eine Wurstverkäuferin Wurst verkauft. Das Gejammer dieser Branche geht mir gehörig auf den Keks, ich glaube ja, dass man dort nicht so verdient, wie man es verdient zu haben glaubt, aber wenn in dieser Wörterverkaufsbranche überhaupt jemand jammern darf, dann die Autorinnen und Autoren, die nicht einmal in die Verlegenheit kommen, sich darüber Gedanken zu machen, wie das denn sein könnte, dieses Von-seiner-Arbeit-leben-können.

Momentan bin ich dabei, die Bücherpapierfluten endgültig zu stoppen, das heißt, ich stelle auf E-Book um. Rezensionsexemplare? Bitte digital. Traurige und wahlweise entrüstete Autorenaugen schauen mich an, denn ich begehe ein Sakrileg. Denn selbst wenn sie inzwischen akzeptiert haben, dass E-Books eine Alternative sind, ja, selbst wenn sie ihre Texte eigenhändig in E-Book-Format umwandeln und bei Amazon verscherbeln, denkt doch jeder Autor wehmütig an den Verlust seiner Unsterblichkeit, den das neue Medium mit sich bringt. Eine Datei eben. Klick und gelöscht. Nichts Haptisches mehr. Nebenbei: Der Satz „Ich mag die Buchhaptik“ hat auf meiner Liste der dümmsten Sätze beinahe den Alltime-Spitzenreiter „Ich mag handgemachte Musik“ erreicht. Als ob man einen Drumcomputer wahlweise mit der Zunge, dem großen Zeh oder dem Penis bedienen würde.
Gerade wer mit dem Tod seine Seiten vollschreibt, sollte vorsichtig sein, von Unsterblichkeit zu unken. Nein, Bücher sind nicht unsterblich, Autoren übrigens auch nicht. Sie leben so lange, wie sie gelesen werden, ob auf Papier oder dem E-Book-Reader, das bleibt sich gleich. Sie leben also von der Wertschätzung der Leser, ihrer Bereitschaft, Zeit und eventuell auch Geld zu investieren. Und „investieren“ ist schon das passende Wort, schließlich leben wir in einer durchökonomisierten Gesellschaft. Okay, daraus ergibt sich ein Problem. Für das Kulturgut Buch ist man im Allgemeinen bereit, seinen Obolus zu entrichten. Ist ja auch ein „Produkt“, „haptisch“ eben, das darf schon mal 9,95 kosten. Aber ein E-Book? Am besten kostenlos oder unter drei Euro. Zumal der Autor bei einem Verkaufspreis von drei Euro unter Umständen mehr verdient als bei einem Papierbuchpreis von zehn. Schon richtig. Aber dennoch: Ein Autor kann gar nicht genug an einem Buch verdienen, wenn er nicht gerade Bestseller raushaut. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach sollten Autoren in der Lage sein, von den Erlösen einer Tausenderauflage materiell existieren zu können, also sagen wir mit 1000 Euro im Monat. Das würde bedeuten: Um von einem Buch im Jahr leben zu können, müsste der Autor an jedem Exemplar zwölf Euro verdienen.
Jetzt schlagen alle die Hände über den Köpfen zusammen, verstehe ich auch. Erstens: zwölf Euro? Wer soll denn das bezahlen? Na, ihr, wer sonst. Zweitens: Wieso schreibt der Bursche nur ein Buch pro Jahr? Okay, ich komme euch entgegen: Ich schreibe zwei und will nur sechs Euro pro Exemplar von euch. Im Gegenzug halten wir die zusätzlichen Kosten in Grenzen, was bedeutet: Dem Vertreiber (früher: Buchhändler) geben wir einen Euro und nicht mehr, wie heute, die Hälfte des Verkaufspreises, dem Verlag geben wir zwei, damit hält er sein Anteilsniveau in etwa. Dann schlagen wir noch sieben Prozent Mehrwertsteuer drauf und runden auf zehn Euro Endpreis.
Das wäre doch ein nettes Modell, oder? Und nein, auf den Verlag möchte ich eigentlich nicht verzichten, wenn es ein guter Verlag ist, der seine Arbeit macht und liebt. Gutes Lektorat, anständiges Layout, vernünftiges Cover, bisschen Werbung. Okay, ich erhöhe auf drei Euro Verlagsanteil, dann wären wir bei elf Euro, das könnt ihr schon verkraften.
Klingt doch nett, oder? Ich unterhalte 1000 Leute und 1000 Leute unterhalten mich. Beide Seiten verzichten auf das Kulturgut- und Unsterblichkeitsgedöns und widmen sich wieder dem, was sie doch eigentlich wollen: dem Schreiben und Lesen und dem Nachdenken. Und wer will, kann auch mit mir kommunizieren, ich hab dann ja Zeit. Zwei Romane im Jahr, das schaff ich locker, wenn ich sonst nichts zu tun habe, um mir meinen Lebensunterhalt zu sichern. Da bleibt noch ein bisschen Zeit. Und die werden wir nutzen.

dpr

24. Juli 2012

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