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Ludger
*wirft
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** bittet um weitere fünf Jahre
*** 2:0
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• Blog-Konsument: Nur fünf Jahre?
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• Pie aus der Kiste: Gibt's auch ne Goldene Fanclub-Nadel?
Und schreibt endlich mal jemand ein intelligentes Porträt des
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• molosovsky: Was das ist wußten ja wohl alle (instinktiv), aber dass es sich ›Synekdoche‹ nennt ist nun ermittelt
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• Pieke Biermann: Ja, so zB kann man das machen... Immerhin wissen jetzt alle Deine Blog-Konsumenten, dear dpear, dass
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• Martin: Nagel du ruhig weiter.
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• dpr: Danke, Leute. Aber ich hör sofort auf, wenn ich das Gefühl habe, zum anachronistischen KritiClown zu
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• Ulrich: Was mir ohne wtd fehlen würde, weiß ich natürlich erst, seit ich dieses Blog kenne. Das Schlimme ist
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08-02-2010
Von Spannern, Mistkerlchen und anderen Autoren
Guido Westerwelle hat einen wunderbaren Krimi geschrieben (wir stellen uns das mal vor, obwohl es schwerfällt). Würden Sie deshalb in Zukunft FDP wählen? Oder, weil Ihnen der Mensch Westerwelle völlig unsympathisch ist, seinen Krimi überhaupt gar nicht lesen? Hypothetische Fragen. Aber im Kern doch solche, die unser Leseverhalten entscheidend prägen können. Denn hinter jedem Text steckt eine Person, und manchmal steckt sie im Text selbst. Was uns für gewöhnlich nicht interessiert, es sei denn, wir glauben diese Person zu kennen. James Ellroy zum Beispiel.
(mehr…)07-02-2010
Ja, peinlich. Da muss man mich auf der Krimi-Couch dran erinnern, dass heute vor fünf Jahren der erste wtd-Beitrag online gegangen ist. Tag der Freude, Tag der Trauer, ganz wie belieben. Eröffnen wir also ein Kondolenzbuch und hoffen auch Eintragungen. Wollt ihr noch fünf Jahre oder lieber doch nicht? Am Ende zähle ich aus und unterwerfe mich der Mehrheit. So, und jetzt weiter an die Arbeit, die Pulle der Witwe in Reichweite.
04-02-2010
Tja. Anderswo hab ich inzwischen einen weiblichen Fanclub... und der liest gerade →meine neue Kolumne über den Schubladenzwang nicht nur in der Kriminalliteratur. Können wtd-Leser natürlich auch. Beides. Lesen und Mitglied im Fanclub werden...
03-02-2010
Geschafft. James Ellroys "Blut will fließen" liegt - gut gekaut ist halb verdaut - im Lesemagen und wartet auf das Wiederkäuen. Ja, blödes Bild, ich weiß. Denn was beim Verdauen unweigerlich geschieht - ist das eigentlich ein chemischer Prozess? Ich war in Bio und Chemie immer ne NIete - endet unweigerlich in Ausscheidung und als jene Scheiße, die man baut, wenn man besonders appetitlich rezensieren will.
Nun ja. Wie ich den Ellroy nun wiederkäuen werde? Ganz ehrlich: Die allenthalben bereitgestellte historische Bedeutungskrücke (amerikanische Geschichte in ihren schmutzigsten Variationen) werde ich nur benutzen, um mich in die Rezension hinein zu schleppen. Danach laufe ich hoffentlich auf eigenen Beinen. Lasst euch überraschen, ich bin auch schon ganz gespannt.
01-02-2010

Auf die frankokanadische Krimizeitschrift ALIBIS verweisen wir immer wieder gern. Auch die aktuelle Nummer 33 kommt mit bewährter Mischung ins Haus: Kurzkrimis, Kritiken, Übersichten und zwei längere Arbeiten zum 25jährigen Jubiliäum eines besonderen "Todesspiels" sowie zu historischen Krimis, die in der griechischen, römischen und ägyptischen Antike spielen. Und wie immer empfehlenswert: der →Internetauftritt mit zahlreichen und selbstverständlich kostenlosen Informationen.
28-01-2010
(Anna Veronica Wutschel, unsere Spezialistin für sinnstiftende literarische Selbsttherapien schreibender Frauen und gelegentlich auch Männer, hat sich durch Mo Hayders "Haut" gelesen, um unter all dem Blut und den Tränen und dem Angstschweiß das zu finden, was man von Krimis gemeinhin erwartet: ein bissel Spannung, die nicht gleich mit der dramaturgischen Pumpgun zwischen die Buchdeckel gehustet wird. Ob sie fündig wurde? Spannend...)
(mehr…)27-01-2010
Neue Tendenzen der Krimikritik. Ein Tagungsbericht
Wie schon in den Vorjahren trafen sich auch in diesem Januar die Mitglieder des Verbandes deutscher Krimikritiker in Printmedien (VDK i.P.) zu einer Tagung im idyllischen Bad Boll, um neue Tendenzen ihres Gewerbes zu diskutieren.
(mehr…)26-01-2010
Wer dafür verantwortlich ist, weiß man nicht. Aber irgendwer setzt sie in die Welt, die dummdeutschen Modewörter. Früher war jedermann auf Synergieeffekte aus, dann hat man sich dreimal täglich selbst erfunden, und jetzt zählt nur noch das GESAMTPAKET.
(mehr…)25-01-2010
Yrsa Sigurđardóttir: Die eisblaue Spur
"Die eisblaue Spur" ist eines jener Bücher, bei deren Lektüre man Gott auf den Knien dankt, kein Übersetzer zu sein. Man transportiert aus dem Isländischen ins Deutsche so wie man meinetwegen eine Fuhre Kartoffeln von München nach Hamburg schafft. Sich an die Verkehrsregeln halten, zügig fahren, aber wissen, dass Kartoffeln ein relativ bedürfnisloses Gut sind, dass auch schon mal einen Wackler verträgt. Ansonsten wird’s eine recht langweilige Fahrt. Und die dürfte auch Übersetzerin Tina Flecken beim Transport dieses Buches gehabt haben.
(mehr…)22-01-2010
Hallo? Was mach ich hier eigentlich?
Jubiläum steht vor der Tür. Am 7. Februar 2005 gab es hier zum ersten Mal Nachrichten von den beobachteten Detektiven, nur ein gewisser Hamburger Krimiblog war schneller (Glückwunsch in die Diaspora). Keine Spur von Plan, keine Idee von Wollen und Werden. Und jetzt schau ich in die Statistik, die mir – wenn sie nicht lügt, aber irgendwie tun sie das alle – erzählt, hier seien 2288 Einträge und 8811 Kommentare geschrieben worden. Schön. Und wozu das alles?
(mehr…)20-01-2010
Ja, in dieser Woche vernachlässige ich euch noch ein wenig. Wird sich aber bald ändern, die hämischen Auguren ("Hi, hi, er hat hingeworfen!") muss ich enttäuschen. Hätte da noch die kurze Rezension eines lauen Isländers, die noch kürzere eines sehr lauen Schweden, die nicht weniger kurze eines lausigen Deutschen... aber erspare ich euch. Kommt besseres nach. Bis spätestens nächste Woche oder doch früher!
18-01-2010
Notiz: Geschwindigkeit und Landschaften
Sich an Büchern abarbeiten, Büchern wie Textmonster. Okay, ich hab auch wenig Zeit, mein Lesevolumen ist begrenzt, es graut einem fast bei dem Gedanken, wie man diese Meere durchschwimmen soll: Charles Todd ("Kalt wie Stein") mit 510 Seiten und James Ellroy ("Blut will fließen"), schicke 800.
(mehr…)15-01-2010
"Die Underworld-USA-Trilogie gilt als Ellroys Opus Magnum, er selbst als Erfinder des Pulp-Krimis."
...und David Peace hat den Noir erfunden. Thomas Mann möglicherweisde den Bibel-Thriller und Friedrich Glauser garantiert den Itzibitziteenie-Regiokrimi. →Liebe Qualitätskrimikritikerdarsteller: Was ihr so glaubt, weil man's euch geraunt hat oder es sich in euch selbst zusammengeleimt - geschenkt. Die Gedanken sind, laut Herrn Eichendorff (Erfinder des Do-nothing-Krimis?), aber auch so was von frei. Aber schreiben? Müsst ihr das wirklich alles schreiben? "Nein!" erschallt es einkehlig aus dem wtd-Building. Und keiner erhört uns...
Diese Wette hätte ich also gewonnen. Ulrich Ritzel ("Beifang") und David Peace ("Tokio im Jahr Null") heißen →die glücklichen Gewinner des diesjährigen DKP, auch auf den Plätzen blieben die Überraschungen mit Friedrich Ani und Jörg Juretzka (national) sowie Roger Smith und Ken Bruen (trotz Harry Rowohlts witzischer Übersetzung - oder gerade deswegen?) aus.
Glückwunsch an alle Kollegen. Ritzels Buch ist, wenn man einige Plotmerkwürdigkeiten gnädig übersieht, ein akzeptabler Gewinner, Frauen sind nicht vertreten, was mir als erstes aufgefallen ist (auf Uta-Maria Heim hatte ich ein wenig gehofft, dass man Andrea Maria Schenkel ignorieren würde, war vorauszusehen). Einzige Überraschung: Heinrich Steinfest fehlt... Irgendwann werde ich vielleicht erfahren, ob ich auch wenigstens ein Pünktchen bekommen habe. Im Vorjahr hatte es ja wenigstens für Rang 6 gereicht...
dpr
13-01-2010
Kathy Reichs: Das Grab ist erst der Anfang
(Unsere Spezialistin für forensische Mahlzeiten, an denen man sich gerne die Finger verbrennt, jubelt. Kathy Reichs hat wieder zugeschlagen! Leider so, dass man schon nach wenigen Seiten in gnädige Leseohnmacht fällt. Aber lesen Sie selbst, wie Anna Veronica Wutschel en détail urteilt...)
(mehr…)11-01-2010
Nein, keine literaturtheoretischen Einlassungen an dieser Stelle. Nur das: Durch viele Texte ziehen sich mehr oder weniger offene Bedeutungsstränge, die, richtig miteinander verknüpft, so etwas wie einen Subtext, ein zusätzliches Zeichen- und Bedeutungssystem ergeben. Fast immer wird dabei mit Synekdochen gearbeitet. Ganz allgemein: Das was der Text auf seiner Oberfläche aussagt, ist auf seiner Subebene entweder eine Spezifierung oder eine Verallgemeinerung – oder beides. Wenn wir z.B. Gregor Samsa als Käfer wiederfinden, geht es nicht um die Person Gregor Samsa, es geht um den Menschen an sich in seiner Entfremdung. Habe ich das erkannt, kann ich von dieser höheren Warte des Allgemeinen wieder auf das Spezielle, vielleicht auf meine eigene Situation schließen.
(mehr…)08-01-2010
Kommunikationsprobleme und Neues von der Couch
Ja, im Moment kommen wir irgendwie nicht zusammen. Ich kriege eure Mails, aber ich kann sie nicht beantworten. Mein Mailprogramm bockt. Werde, wenn ich ein Stündchen Zeit habe, entsprechend schrauben und bosseln. Bis dahin könnt ihr mich beschimpfen, ohne dass ich umgehend antworten kann. Aber wird schon.
Beschimpfen, weil es eine →neue Kolumne auf der Krimi-Couch gibt? Oder weil das von mir besprochene Buch von Angelo Petrella, "Nazi Paradise" zum Volltreffer des Monats gemacht wurde? Na, ihr findet schon einen Grund...
07-01-2010
Wieder was gelernt. Oder besser: wieder dran erinnert, was man einmal gelernt hat. In Jim Nisbets "Dunkler Gefährte" kommt der Ausdruck "Synekdoche" vor. Von "Synekdoche" spricht man, wenn ein bestimmtes Wort durch einen Unter- oder Oberbegriff ersetzt wird. ""Man versteht unter einem kleinen Teil das Ganze oder unter dem Ganzen einen Teil", soll Cicero gesagt haben, lese ich gerade. Also "Wenn du umziehst, leihe ich dir meine Hand". "Hand" wäre dann der Unterbegriff des konkreten Ausdrucks "Arbeitskraft". "Ich lege dir die Welt zu Füßen" der Oberbegriff von, sagen wir, "nächstes Mal bringe ich den Müll runter".
(mehr…)05-01-2010
"Bruno befestigte den Plan des Lohwiesenweges (...) an der weißen Metalltafel. Da es keine vier roten Magneten gab, nahm er für die untere linke Ecke einen grünen."
(Rainer Würth, "Krötenwanderung", S. 51)
Das Medium ist die Botschaft, sogar in der Kriminalliteratur. Wäre die ein Topf, er kochte permanent über, seine Belanglosigkeiten, deren Krönungsrequisit obiger grüner Magnet sein könnte, liefen als eine zähe Masse über den Rand und fielen – Tropfen für Tropfen – ins Bodenlose des Schunds. Aus einem Medium, dem honorablen Taschenbuch, in ein anderes, das eselsohrige Heftchen, aus dem Reservat deutschsprachiger Hoch-Kriminalliteratur in den archaischen Urwald deutschsprachiger Nullprosa.
04-01-2010
Beifang. Der Fischer schippert übers Meer, das Schleppnetz sammelt ein, was sich einsammeln lässt. Eigentlich steht ihm der Sinn nur nach Heringen. Aber wenn er dann das Netz an Bord hievt, zappelt alles Mögliche in den Maschen. Jede Menge Kleinfisch, aber auch Delphine, Rochen, Haie, Autoreifen... Was er nicht braucht, wirft der Fischer zurück ins Meer, lebendig oder tot oder so gut wie tot. Eine besonders ökonomisch-ökologische Fangmethode ist das nicht.
(mehr…)30-12-2009
Was kümmert uns das alte Jahr, wenn das neue vor der Tür steht? Und mit ihm aktuelle Krimikost, auf die man sich schon freuen kann, James Ellroys "Blut will fließen" etwa, knappe 800 Seiten, liegt gut und schwer und schön gebunden in der Hand, oder Pablo De Santis' "Das Rätsel von Paris", was ich sofort mit Eugène Sues "Die Geheimnisse von Paris" assoziiere – mal sehen.
Und sonst? Wünsche ich allen Leserinnen und Lesern den obligatorischen guten Rutsch, einen dicken Kopf und genügend Aspirin für Neujahr. Wtd continues, dies ins Stammbuch der wtd- und dpr-Hasser, die sich auch 2009 erfreulich vermehrt haben. Und Bernd? Margit? Herr Klingenmaier? Ihr bloggt doch im neuen Jahr wieder, gelt? Derweil schauen wir Ludger interessiert bei seinen "Ermittlungen zum Verfall eines Genres" zu und setzen die Dekadenz munter fort. Also: bis 2010!
28-12-2009
Gunnar Gunnarsson: Schwarze Vögel
Die isländische Kriminalliteratur hat sich längst im Fahrwasser des Schwedenhypes auf ihre Art skandinavisiert und globalisiert, von anderen nordischen Vertretern des Genres nur noch durch die Namensendungen und gelegentlich ein Übermaß an Eis und Schnee zu unterscheiden. Das ist schade für ein kleines Land mit einer ungewöhnlich alten und ausgeprägten Nationalliteratur. Doch auch Island hat, was Krimis anbetrifft, seine Klassiker, und der größte ist (neben den bekannt blut- und verbrechensgetränkten Geschichten der Edda) Gunnar Gunnarssons "Schwarze Vögel".
(mehr…)23-12-2009
So. Traditionsgemäß wünschen der Chef und seine Praktikantinnen ihrer treuen Leserschaft friedvolle und genüssliche Festtage. Mit guter Lektüre und verqueren Gedanken, sauft nicht zu viel, schlagt eure Frauen / Männer nur wenn's nicht anders geht, steckt die Tanne nicht in Brand, passt auf eure Plomben auf, wenn ihr in Omis Weihnachtsgebäck beißt, gewöhnt euch das Rauchen erst ab Neujahr ab, verschwendet wenigstens einen halbwegs liebevollen Gedanken an wtd, wir melden uns nach den Feiertagen wieder - und wehe, ihr seid nicht mehr da!
bye
dpr und seine Mädels mit den Kußmündern
22-12-2009
Es ist ein einziger Skandal: Kleine, dahergelaufene Verlage schnappen den Großen der Branche die besten Autoren weg! Beispiel Pulp Master. Der rührige Verlag des Berliners Frank Nowatzki hat sich allein 2009 mit Gerald Kersh, Jim Nisbet und Angelo Petrella drei Schmückstücke gesichert, hinter denen Random House und Co. her waren wie der Teufel hinter Sebastian Fitzek. Heulen und Zähneklappern in den Führungsetagen, Köpfe kopfloser Jungmanager rollen. Die Folge: Krimikrise - Sinnkrise - Wirtschaftskrise! Und der Finanzminister muss die Mehrwertsteuer für Krimis auf 30 % erhöhen, damit wenigstens der Bruttoumsatz der Großen stimmt. Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht, Herr Nowatzki? Im →großen Weihnachtsinterview des Krimikulturarchivs erzählt er es uns.
21-12-2009
Weihnachten. Doch wir fleißigen Mädels von wtd kommen nicht zur Ruhe. Diese Verlagsvorschauen! Alles will der Chef ausgewertet haben. Vorher brauchen wir ihm gar nicht erst das Badewasser einzulassen und den Schampus zu kühlen. Sogar das nette Schreiben von Blanvalet müssen wir öffnen. Aber oh Schreck, was müssen wir da lesen?:
JEFFERY DEAVER NIMMT INTERNET-BLOGGING AUFS KORN
Natürlich in seinem neuen Roman "Allwissend", der für Februar versprochen wird. Ein Blog-Betreiber gerät "auf die Abschussliste des Täters" und es geht um die Frage, "wie schnell die Freiheiten, die es (das Internet) bietet, zur allgemeinen Bedrohung werden können." Als ob wir das nicht längst wüssten. All die Abzocker, die Geschäftlmacher, die Dummbrunzen... Hoffen wir, dass dem Chef wenigstens nichts passiert. So wie der sich hier manchmal aus dem Fenster lehnt...
Larissa und Sonja, diensthabende Zwangspraktikantinnen
20-12-2009
Gerard Donovan: Winter in Maine
Das ist ein Roman, wie ihn uns die PR-Abteilung passend zur Jahreszeit empfiehlt. Viel Schnee, viel Kälte, viel Wildnis, viel Einsamkeit – und man selber lesend am warmen Kamin, ein Glas Rotwein in der Hand, während der Hund zu den Füßen – nein, kein Hund. Denn mit dem hört in Gerard Donovans "Winter in Maine" die Gemütlichkeit auf.
(mehr…)17-12-2009
Der Chef ist sauer. Gerade Seite 108 in die Tastatur gekloppt (noch keine einzige vernünftige Sexszene! Was ist mit dem Chef los? Wird der alt? Müssen wir ihm die kleinen blauen Pillen untern Weihnachtsbaum legen?) und dann zur Entspannung die Alligatorpapiere gecheckt und →das da gelesen:
"...und ich merke jetzt, dass ich bei der Produktion des Podcasts ein paar längere Erzählpassagen mit Musik unterfüttern muss, damit es dem Hörer nicht zu langweilig wird."
(mehr…)14-12-2009
Robert B. Parker: Hundert Dollar Baby
Ist es Lob oder Tadel, einem Kriminalroman zu bescheinigen, er lese sich "nett"? Wohl beides. Robert B. Parkers Spenser-Romane um den Schnüffler aus Boston und seine skurrilen Helfershelfer gehören jedenfalls in diese Schublade der netten Krimis, bei deren Lektüre man vor Enttäuschungen sicher ist, aber auch keine wirklich aufregenden Erkenntnisse erwarten darf. Das liest sich eben. Routiniert, flott, mit ein wenig Tiefgang, pointierten Dialogen und der üblichen Action der Sorte "Spenser und Co. haben immer den letzten Schlag".
(mehr…)10-12-2009
Wir sorgen uns um den Chef. Gerade hat er einen Hühnerfarmer an die Bettpfosten fesseln und einen üblen Trunk schlucken lassen; sardonisch grinsend (der Chef, nicht der Hühnerfarmer!). Danach einen Heftroman fertig gelesen und ohne gebührenden Abstand endlich den letzten, unvollendeten Roman von Vladimir Nabokov in die Hand genommen, "Ein Modell für Laura". - Ist das normal? "Alles Krimi", pflegt der Chef zu murmeln, wenn er vom Schundheftchen zur Hochliteratur wechselt oder jedes Wort, mit dem er die ekligsten Episoden seines neuen Romanes zu schreiben gedenkt, genauestens wägt, als sei es eine feinsinnige Elegie und nicht ein Affront gegen jeden kultivierten Menschen. Doch, doch, wir sorgen uns. Und halten weiter die Stellung.
Marja und Natasha, diensthabende Zwangspraktikantinnen
07-12-2009
Uh, uh, der Chef hat gerade eine lesbische Jungpharmazeutin in einem Flüsschen ertränkt... da wollen wir ihn gar nicht stören. Sondern nur sagen, dass bei der Krimi-Couch dem Chef seine →Dezemberkolumne jetzt auch offiziell online ist. Ein kleiner Jahresrückblick mit vielen Geschenktipps! Und dann hat er noch eine →kompakte Besprechung von Andrea Maria Schenkels "Bunker" geschrieben, weil ihn der Herr König von der Couch dazu genötigt hat. So, jetzt aber auf leisen Sohlen aus der Redaktion und schon mal das Badewasser eingelassen. Nach dem Dichten ist der Chef immer so verschwitzt.
Oxana und Elena, diensthabende Zwangspraktikantinnen
Standby, Ökomodus, Notdienst, kein Mist
Bis zum Ende des Jahres läuft wtd im Ökomodus. Will sagen: Die eine und andere Rezension, dieser und jener Hinweis, ansonsten aber möchte sich der Blogger ein wenig dem kommenden Werk und sonstigen Kleinigkeiten widmen. 2010 geht es dann wie gewohnt weiter. Ein Notdienst wurde eingerichtet, um wichtige Nachrichten unserer LeserInnen entgegen zu nehmen und zuzubereiten.
Und wichtig ist natürlich dies hier: In der Zeitschrift "Kommune" (06/2009) bespricht Michael Schweizer "Arme Leute" als Teil eines lustigen Dreiers:
"So viele Krimis, so viel Mist. Doch manchmal ist es anders. Dann springen einem die neuen Bücher von Haas, Dieter Paul Rudolph und Christine Lehmann entgegen, beglücken wie erwartet – und überraschen. (...) Offenbar kommt man auf einem gewissen literarischen Niveau an bestimmten Themen nicht vorbei."
Schön. Zwischen Wolf Haas und Christine Lehmann, ohne abzustinken. Leider ist der Artikel (noch) nicht online, aber bald vielleicht doch in →Michael Schweizers Kolumne beim Alligator.
05-12-2009
Nein, ist das komisch! Da schickt mir →Georg aus Karlsruhe eine Kopie der diesjährigen Lieblingsbücher der Rezensenten der Stuttgarter Zeitung (nein, das ist jetzt noch nicht das Komische!). Und tatsächlich: Ein Kritiker hat auch die "Armen Leute" ganz, ganz lieb (nicht komisch, sondern nachvollziehbar). Aber jetzt: Dieser Kritiker heißt auch Georg mit Vornamen! Wie der Georg aus Karlsruhe, der mir usw. Also ich hab ganz kurz furchtbar lachen müssen. Sachen gibts! Und hier der Beleg; bitte am Montag beim Buchhändler vorlegen:

04-12-2009
"Zwei Figuren und Romandrittel lang hält Rudolph den Provinzkrimi bravourös durch, dann schlägt er einen gewagten Haken. Mit dem dritten Erzähler strapaziert er vorsätzlich die Glaubwürdigkeit. Er will die Aufgeräumtheit eines normalen Krimiendes und die Fassbarkeit von Figuren und Verhältnissen sabotieren."
So schreibt es Thomas Klingenmaier heute in der "Stuttgarter Zeitung" über "Arme Leute". Und das ist wie immer auf den Punkt gebracht. Noch nicht online, vielleichts kommts ja noch. So. Und jetzt munter an die Fortsetzung ran. Motto auch hier: Wider die Glaubwürdigkeit, für das Unaufgeräumte!
Ach, das waren lustige Tage! Ein Vatertagsausflug auf Staatskosten mit Aussicht auf fremde Länder und Ordensbrust. Man skandierte "Jeder Schuß ein Russ', jeder Stoß ein Franzos'" oder – auch der Wortwitz sprühte in jenen Tagen – "Serbien muss sterbien". Ob man die "Dicke Berta" sehen würde, jene legendäre Großkanone aus dem Hause Krupp? Oder gar, wer weiß?, auf dem Feld der Ehre einen ähnlich dicken Fisch an die Angel bekäme wie damals 70/71 den französischen Kaiser persönlich? - Doch es sollte kein Feld der Ehre mehr geben. Statt dessen Massenvernichtung mit zeitgemäßer Hightech. Verdun, die nordfranzösischen, belgischen Schützengräben, Ypern, Giftgas und Granaten, Verrecken in der eigenen Scheiße. Erster Weltkrieg.
(mehr…)03-12-2009

Äh - oder so ähnlich. Man kommt leicht durcheinander bei Walther Kabel, dem Extremvielschreiber. Aber weil wir ja alle wissen, warum wir Triviales lesen (ich sage nur: Urmythos!), freuen wir uns auf zwei neue Romane Kabels in der →"Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts". Ab sofort. Für alle. Für lau.
02-12-2009
Eine pfiffige Idee, auch in Zeiten der Finanzkrise auf ihre Kosten zu kommen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Freunde des literarischen Landhauskrimis (Internetauftritt wird vorbereitet). Die vehementen Verfechter einer nachzuholenden deutschen Krimitradition (Motto: "Ingrid Noll die deutsche Agatha Christie? Nur über unsere Leichen!") kämpfen nicht nur für eine Wiederbelebung alter und bewährter Strickmuster der Kriminalliteratur. Sie wissen auch, wie man damit Geld verdienen kann...
(mehr…)01-12-2009
"Das heißt, jede Entscheidung verschüttet Möglichkeiten, und dem kann man nach Feyerabend nur mit einem bedingungslos demokratischen Kulturverständnis antworten. " … ich sagte, Die Kunst DES Volkes sei Dallas oder Jerry Cotton und daß man erst diese studieren müsse, wenn es einem daran gelegen sei, Kunst und Volk ein wenig näher zu bringen"(...)"
Doch, das ist eine nette Erkenntnis, die Paul Feyerabend →hier hat. Feyerabend? Das ist der Mann, der "anything goes" als wissenschaftliche Maxime ausgegeben hat. Alles geht irgendwie, jede Möglichkeit ist es wert, durchdacht zu werden, die Frage ist nur: wie?
(mehr…)30-11-2009
Christine Lehmann: Mit Teufelsg'walt
Lisa Nerz, das ist schon eine. Gelegenheitsjournalistin (nach einer Erbschaft kommt sie auch ohne regelmäßige Arbeit über die Runden), Detektivin aus Überzeugung, Trägerin von Männerklamotten, ein bisschen bi, momentan mit einem Oberstaatsanwalt namens Richard Weber verbandelt ("Lebensabschnittsirrtum"). Für den diplomatischen Dienst absolut nicht zu gebrauchen. War schon mal auf dem Mond und mischt sich bevorzugt in Dinge ein, die sie nichts angehen oder nichts angehen sollen. Zum Beispiel eines frühen Morgens, als es in der Wohnung über der ihren rumort und schreit. Einige Damen vom Jugendamt wollen den kleinen Tobias Habergeis abholen und in ihre "Obhut" nehmen. Gestapomethoden sind das, befindet Lisa Nerz und geht dazwischen. Prompt steckt sie in ihrem nächsten Kriminalfall, einem besonders heiklen.
(mehr…)27-11-2009

Saarländer? Morgen noch nix vor? Mal dpr auf die Pelle rücken? Was Gutes essen? Für lau? - Kein Problem. Morgen ist die 2. Conte-Kriminacht in der Erlebnisgärtnerei Storb in Brebach-Fechingen. Es gibt "Verbrechersuppe" zur Stärkung. Ursprünglich hieß das "Rotwein und Brezeln", jetzt halt Rotwein mit reingebröselten Brezeln. Um 19.30 Uhr gehts los, das bewährte Duo Peter König (Saarländischer Rundfunk, Stimme) und dpr (wtd, Widmungen und small talk) tritt ganz am Schluss auf, wenn die Suppe schon längst gegessen und die Esser nicht mehr zurechnungsfähig sind. Im Vorprogramm lesen folgende Damen aus ihren Werken vor nüchternen Besuchern: Lilo Beil, Elke Schwab, Lisa Huth und Karin Mayer. Man kann die Bücher auch kaufen. Und in der Erlebnisgärtnerei was erleben. Exotische Orchideen, fleischfressende Pflanzen und gigantische Weißkohlköpfe.
26-11-2009
"Es gibt keinen großen Roman, der nicht auf einem gesunden Fundament aus Trivialität stünde."
Ah, denkt man, hier wird’s interessant. Und dann auch noch in der "Welt". Mit obigen Worten macht uns →der Alligator Lust auf →Hannes Steins Artikel zu dem, was der Amerikaner "Brain Candy" nennt, der Deutsche aber "Trivialliteratur" oder, wenn er gerade seinen nichtakademischen Tag hat, "Flughafenliteratur".
25-11-2009
Der allgegenwärtige Krimiautor
Hallo. Ich bin ein Krimiautor in den Zeiten des Internets, der großen Vernetzung. Ich bin der Souverän meinerselbst und bedauere meine Vorgänger, die, wenn sie bekannt werden wollten, immer auf DIE ANDEREN angewiesen waren: die Presse, die Fernsehfritzen, die Germanisten, die aus dem Werbevollen schöpfenden Verleger. Heute ist das ganz anders. Ich stromere durchs Netz und stelle mich meinen zukünftigen LeserInnen vor. Der Weltruhm ist nur eine Homepage weit entfernt.
(mehr…)24-11-2009
Es wird Zeit, mal wieder auf Jean Amila hinzuweisen, jenen hierzulande allzu lange unbekannten und unübersetzten Vertreter der französischen série noire. Seit einigen Jahren hat sich der Conte Verlag Amilas angenommen und nun mit "Die Abreibung" den fünften Band vorgelegt – einen besonders guten obendrein.
(mehr…)23-11-2009
Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive (Schluss und darüber hinaus)
→Noch immer streite ich mit Jochen Schmidts "Gangster, Opfer, Detektive", und inzwischen hängt der Haussegen beträchtlich schief, der Gang zum Scheidungsanwalt scheint unvermeidlich. Dass dieses Werk solche Emotionen auszulösen vermag, ist seine große Stärke, die aber vor allem aus seinen großen Schwächen resultiert. Auch als reine Informationsquelle wird das Buch mehr und mehr verzichtbar. Fazit: ziemliche Ernüchterung...
(mehr…)19-11-2009
Wie alles anfängt und so manches endet
Ach, im Moment hab ich wenig Zeit, mir über Krimis Gedanken zu machen, im Moment schreib ich selber einen. Und damit ihr schon mal wisst, wie alles anfängt, hier der Anfang, was sonst. Es ist die Fortsetzung der "Armen Leute", aber den Titel sag ich noch nicht. Es ist auch nicht der nächste Krimi, der erscheinen wird, denn der ist schon längst fertig und ihr habt gar nichts davon mitbekommen. Hier also:
(mehr…)18-11-2009
Zwei Dinge sprechen gegen "historische Krimis": Dass sie selten die Denkweisen einer vergangenen Zeit rekonstruieren können, sehr wohl aber "Fakten", und dass diese Fakten dann wie aus Kübeln auf die armen LeserInnen regnen, sehr zum Nachteil des Erzählduktus, nebenbei. Der Autor steckt in einer Zwickmühle. Präsentiert er zu wenig Fakten, mag dies dem Text zugute kommen, alle mit der beschriebenen Zeit nicht vertrauten Leser jedoch düpieren. Übertreibt er es, riskiert er vor lauter gutgemeintem Infotainment Stilbrüche, der Erzähler wird zum Dozenten. Schauen wir, wie sich Jan Zweyer aus dieser Lage herausgewunden hat.
(mehr…)17-11-2009
Nach Gabriele Brinkmanns "Ehre, wem Ehre gebührt" (wir erinnern uns an den Skandal, der die Nation erschütterte), gibt es ein weiteres Werk der kritischen Kriminalliteratur zum Thema: Rose Gerdts-Schifflers "Ehrenhüter". Der Berichterstatter der →"Kreiszeitung" verrät uns, worum es geht: "Während der Vater despotisch die Familie regiert, versteht die Kopftuch tragende Mutter sich devot unsichtbar zu machen, wenn das Familienoberhaupt in Zorn gerät." Ja, "die Kopftuch tragende Mutter", das hat sie jetzt davon... Doch bevor solche tabulosen, politisch natürlich völlig inkorrekten Krimis zum neuen Trend ausgerufen werden, bestehen wir auf der Feststellung, dass Friedrich Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" nicht dazugehört. Oder trägt Mutti dort ein Kopftuch? (Danke an →frauenkrimi.net für den Hinweis).
16-11-2009
Eine Polizistin, die mit Kleinkind und WG-Mitbewohner, einem schreibblockierten Kriminalautor, urlaubt. Gestattet sich Astrid Paprotta hier, in ihrem ersten Tatort-Drehbuch "...es wird Trauer sein und Schmerz", einen augenzwinkernden Scherz? Handy. Ein Bäckermeister ist erschossen worden, das dritte Opfer eines "Sniper". Kommissarin Lindholm, zufällig in der Nähe des Geschehens, ermittelt mit den Braunschweiger Kollegen, während ihres Urlaubs.
(mehr…)13-11-2009
Ross Thomas im Krimikultur-Archiv
Mit der Besprechung des dritten Bandes, "Voodoo LTD.", ist die Artie Wu / Quincy Durant - Trilogie von Ross Thomas vollständig rezensiert. Und damit man nicht unnötig suchen muss, habe ich alle drei Rezensionen in einem Artikel ins →Krimikultur-Archiv gestellt. Ein grundsätzlicher Aufsatz dazu ist zwar im Moment nicht zu befürchten, für die Zukunft jedoch auch nicht auszuschließen...
"Mimis seien gewarnt: "Arme Leute" ist anspruchsvolle Lektüre – voller Stil, voller Witz, und oft richtig schmutzig." - schreibt Ulrich Kroeger über die "Armen Leute" in seiner →neuesten Kolumne bei den Alligatorpapieren. Schön.
"Der Krimi ist in seiner ungenießbar poltrigen Art trotzdem rund. Wer es gern ätzend mag, kommt an diesem Buch nicht vorbei." - schreibt Barbara Keller über die "Armen Leute" in →berlinkriminell. Auch schön. Vor allem, weil der Autor hier Details der Handlung erfährt, die ihn selbst überraschen.
12-11-2009
Zwei Bücher hat der irische Krimiautor Declan Burke herausgebracht. Hochgelobt in den angloamerikanischen Landen, noch nicht ins Deutsche übersetzt, von Bernd Kochanowski indes auch hierzulande gepriesen. Burke führt zudem einen feinen Blog mit dem hintersinnigen Namen →Crime Always Pays, und auf diesem teilte er nun seiner bestürzten Leserschaft mit, er gebe das Schreiben von Krimis auf. Er müsse eine Familie ernähren, was ihm mit journalistischen Arbeiten besser gelinge als dem mühseligen Zusammenbosseln von "fiction", dieser zeitraubenden und schlechtbezahlten Tätigkeit. Wir soll man sich eines gutes Gewissens erfreuen, wenn man seine Familie vernachlässigt, sie in ökonomische Nöte stürzt – und das werte Publikum, aller Jubelarien zum Trotz, dann doch lieber zum üblichen Massenfroufrou greift?
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