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Dominique Sylvain: Schöne der Nacht

kurzkritik.gif

Es ist eine bewährte Mischung, die Dominique Sylvain in „Schöne der Nacht“ zusammengerührt hat. Eine junge Frau wird grausam ermordet, ein ehemaliger Kriegsfotograf, dessen japanische Frau, eine Künstlerin, vor Jahren auf ähnliche Weise getötet wurde, gerät unter Verdacht, eine Bande junger Männer aus den Banlieues will sich die Träume mit Raubüberfällen wahrmachen, dazu viel Beziehungszauber und ein originelles Ermittlerpärchen: die Ex-Kommissarin Lola Jost und die amerikanische Masseuse Ingrid Diesel, die nebenbei strippt.

Da wäre es ein Wunder, wenn bei dieser schieren Menge von Zutaten die Sache nicht 324 Seiten lang temperamentvoll und abwechslungsreich über die Bühne ginge. Tut sie auch. Besonders die Kombination Jost / Diesel („Schöne der Nacht“ ist wohl nur das erste Abenteuer der beiden, weitere dürften folgen) überzeugt, das Nebeneinander von schnörkelloser Miesepetrigkeit und leicht esoterischer Weltsicht wird von Sylvain reizvoll und in prägnanten Dialogen präsentiert.

Dass „Schöne der Nacht“ nicht ganz zu überzeugen vermag, hat seine Gründe woanders. Paris ist gewiss eine turbulente Stadt, aber hier wird sie denn doch ein wenig zu hektisch, zuviel Personal mit diversen Problemen taucht auf, die Hoffnungslosigkeit der Vorstädte, die Schwierigkeiten multikultureller Identität – das und noch einiges mehr wird angerissen, und am Ende serviert uns die Autorin eine weitere Mordaufklärung hastig und nicht sehr logisch entwickelt als Zugabe.

Dennoch: „Schöne der Nacht“ ist ein angenehm zu lesender Kriminalroman, dem es zwar noch an der Harmonie der Proportionen fehlt, der für die Zukunft von Dominique Sylvains Ermittlerteam jedoch einiges verspricht.

dpr

Dominique Sylvain: Schöne der Nacht. (Original: Passage du Désir, 2004, deutsch von Anja Nattefort) List 2006. 324 Seiten. 13 €

5. Januar 2007

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